„Halte fest, was dir von allem übrigblieb.“
Johann Wolfgang von Goethe, Faust II


















„Das meiste, was wir sehen, geht verloren, noch während wir es betrachten.“
Johanna Götz
Als stille Beobachterin arbeite ich seit beinahe zehn Jahren im Hintergrund. Mein Blick richtet sich auf das, was im Lärm vorder-gründiger Selbstdarstellung oft untergeht. Im Grunde geht es für mich beim Fotografieren um nichts anderes als um das Auf-schreiben von Träumen, nur eben ohne Stift. Manchmal muss man die Augen ein wenig zusammenkneifen, um zu sehen, was wirklich da ist. Ich fotografiere nicht, um Geschichten zu erzählen oder die Welt romantisch zu verklären, sondern weil mich die pure Präsenz von Licht, Form und Raum fasziniert. Nach einer langen Phase des Strebens nach dem vermeintlich perfekten Foto habe ich mich bewusst von den Regeln der makellosen Ästhetik befreit. Es sind die feinen Brüche und das Unvorhersehbare, die einem Bild seine eigentliche Tiefe verleihen. Das menschliche Auge braucht nur einen Sekundenbruchteil, um ein Bild visuell zu erfassen – doch das zeigt nur das Augenscheinliche. Es verlangt nach dem zweiten, dem verweilenden Blick. Ich zeige diese Arbeiten erst seit Kurzem, weil es Mut braucht, seine Träume an die Wand zu hängen. Und vielleicht erkennt der eine oder andere darin ja ein Stück von seiner eigenen Wahrheit.

Johanna Götz, geboren 1996 in Hamburg, arbeitet in Deutschland. Götz wuchs in einer Künstlerfamilie auf, wodurch ihr Blick für Form, Komposition und das visuelle Schaffen von frühester Kindheit an geprägt wurde. Abseits des öffentlichen Kunstbetriebs entwickelte sie über eine Dekade hinweg eine eigenständige, minimalistische Bild-sprache im Stillen. Ihre künstlerische Praxis verbindet Fotografie und Literatur. Neben visuellen Arbeiten verfasst sie Prosatexte, die sich mit dem vermeintlich Banalen auseinandersetzen. Ihre Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen inszenierter Komposition und einem experimentellen, ergebnisoffenen Ansatz, wobei der Fokus stets auf der Reduktion und dem Aufbrechen visueller Sehgewohnheiten liegt. Nach einer langjährigen Phase des bewussten Sammelns, Verwerfens und Kuratierens im eigenen Archiv öffnet Götz ihre Arbeiten seit 2026 erstmals für die Öffentlichkeit. Ihre Fotografien und Texte wurden bereits international präsentiert, darunter im Rahmen einer Gruppen-ausstellung der Aurora Gallery sowie bei einer Ausstellungs- und Textveröffentlichung in Bangalore, Indien. Zudem wurden ihre visuellen Arbeiten von mehreren internationalen Kunstplattformen zur Re-präsentation ausgewählt und fließen in kommende, kuratierte Buch-publikationen ein.